Birkenpollen lösen Allergien aus
Birkenpollen lösen Allergien aus

Inhaltsverzeichnis

Die Pollen des Birkenbaums gehören zu den reaktivsten Pollenarten

Die Birke ist der häufigste Auslöser einer Pollenallergie in Deutschland. Auch europa- und weltweit spielt der Birkenbaum eine übergeordnete Rolle bei der Entstehung allergischer Reaktionen. In der Häufigkeit von Kreuzreaktionen belegt der Frühblüher ebenfalls einen Spitzenplatz. Grund genug, sich eingehender mit Betula zu beschäftigen, wie die Birke in der botanischen Fachsprache genannt wird:

  • Die Birke ist ein relativ schnell wachsender Baum mit auffallend weißer Rinde.
  • Im ausgewachsenen Zustand überschreiten Birken häufig die Höhe von 30 Metern.
  • Die Birke ist ein Baum der gemäßigten und nördlichen Breiten und kommt in Mittel- und Nordeuropa, dem nördlichen Asien (v. a. Sibirien) und Nordamerika vor.
  • Birken findet man in Laub- und Mischwäldern, Heide- und Moorlandschaften, ebenso als Alleebäume.
  • Symptome einer Birkenpollenallergie treten v. a. an den Schleimhäuten auf, typisch sind weiterhin tränende Augen, Niesanfälle, juckende und laufende Nase sowie trockenen Husten. 1
  • Kreuzallergien treten vor allem mit Nüssen und verschiedenen Kernobstsorten (v. a. Äpfel) auf. Dies wird als Birke-Nuss-Kernobst-Syndrom bezeichnet. 2
  • Der Bauernhofeffekt kann zum Vermeiden einer Birkenpollenallergie beitragen. 3 4

Die Birke ist der reaktivste Baum in Deutschland. Trotzdem gibt es vieles, was Sie gegen die Beschwerden bzw. die Entstehung einer Birkenpollenallergie tun können.

Der Flug der Birkenpollen wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst

Der Pollenflug der Birke findet in den Monaten April und Mai statt. Dann nämlich steht der Baum mit der auffallend hellen Rinde in voller Blüte. Allerdings ist die Pollenkonzentration noch von weiteren Faktoren abhängig:

Witterung

Wie für alle Pollen, gilt auch für die Birke, dass die Konzentration des Blütenstaubs mit wärmerem und sonnigem Wetter steigt. Demzufolge sinkt die Anzahl der Birkenpollen bei Regen und kühlem Wetter. 5

Tageszeit

Die Belastung mit Birkenpollen ist auf dem Lande morgens am höchsten, in der Stadt dagegen spätnachmittags bis abends. 6

Die Blütezeit der Birke

Besonders hoch ist die Birkenpollenbelastung im April. Milde Winter und früh einsetzende hohe Temperaturen können den Flug der Birkenpollen aber schon im März beginnen lassen. Manchmal fliegen die Pollen bis Ende Mai und sogar bis in den Juli hinein. Gute Orientierung hierfür bietet ein Pollenkalender.

In diesen Regionen existieren Birkenpollen in hoher Konzentration

Birkenpollen fliegen durchaus viele Kilometer weit, trotzdem ist die Pollenbelastung nahe der Quellen, also der Bäume, am höchsten. Das sind, wie erwähnt, v. a. die gemäßigten und nördlichen Regionen. Bei einem Urlaub im Süden bleiben Sie von Birkenpollen verschont.

Generell gilt auch, dass die Pollenbelastung im ländlichen Raum höher ist als in der Stadt. 7 Zumal in Städten häufig aus Rücksicht auf Allergiker auf das Anpflanzen von Birken verzichtet wird. Besonders stark ist die Konzentration hingegen dort, wo viele Birken wachsen, also

  • in Hochmooren,
  • an den Rändern von Laub- und Mischwäldern,
  • auf sandigen Böden von Heidelandschaften und
  • an Allen.

Die allergologisch wichtigsten Pollen in Mitteleuropa

Neben der allergologisch besonders relevanten Birke existieren weitere Baumpollen, die in Mitteleuropa eine Pollenallergie auslösen können. Dazu zählen:

Birke

allerige-birkenpollen

Hasel

allergie-haselnuss

Erle 8

Die Erle kann Allergien auslösen

Auch Gräser spielen eine wichtige Rolle als Allergieauslöser. In Mitteleuropa sind vor allem die sog. Süßgräser relevant, zu denen u. a. folgende Sorten zählen:

  • Ruchgras
  • Knäuelgras
  • Lolchgras
  • Wiesenlischgras
  • Wiesenrispengras
  • Wiesenschwingel

Auch Getreide gehört botanisch betrachtet zu den Gräsern und kann Pollenallergien auslösen, darunter insbesondere

  • Gerste,
  • Hafer,
  • Weizen und
  • Mais. 9

Man fasst Pollen, die eine allergische Reaktion auslösen können, unter dem Oberbegriff allergene Pollen zusammen.

Die Wirkung der Birkenpolle ist beim Kontakt mit dem Allergen sehr hoch

Laut Pollenkalender kommt den Birkenpollen hohe Bedeutung zu. Sie sind hochallergisch und können deshalb besonders starke Symptome auslösen. Der Grund hierfür sind ihre aggressiven Allergene mit den Namen Bet v I und Bet v II. 10

Typische Symptome einer Pollenallergie sind:

  • Fließschnupfen
  • verstopfte Nasen
  • trockener Husten
  • tränende Augen
  • Juckreiz
  • Kloß im Hals
  • Hautausschläge
Pollenallergie bei Kindern erkennen
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Die Symptome von Pollenallergie und Heuschnupfen sind also vielseitig und können mit antiallergischen Medikamenten behandelt werden.

Diese Stoffe können bei Birkenpollen-Allergikern Kreuzreaktion auslösen

Birkenpollenallergiker reagieren sehr oft auf bestimmte Lebensmittel. Berühmt-berüchtigt ist das Birke-Nuss-Kernobst-Syndrom, eine besonders häufige Form der Kreuzallergie. 11

Kreuzreaktive Lebensmittel

Die Allergie gegen Birkenpollen geht oft mit Unverträglichkeit gegenüber folgenden Lebensmitteln einher:

  • Kernobst: Birne, Apfel
  • Steinobst: Nektarine, Pfirsich, Kirsche
  • Gemüse: Möhren, Knollensellerie, rohe Kartoffeln
  • Nüsse: Walnuss, Haselnuss 12 13

Hitzelabile Allergene können durch hohe Temperaturen inaktiviert werden

Zum Vorteil aller Kreuz-Allergiker sind viele Allergene in Nahrungsmitteln hitzelabil. Das bedeutet, dass sie durch hohe Temperaturen bei der Zubereitung inaktiviert werden. In diesem Fall können Sie diese Lebensmittel bedenkenlos verzehren. Am konkreten Beispiel der Kreuzreaktivität zwischen Birke und Apfel bedeutet das:

Industriell hergestellter Apfelsaft

ist unbedenklich, da dieser beim Herstellungsprozess stark erhitzt wird.

Frisch gepresster Apfelsaft

hingegen, grundsätzlich die gesündere Variante, führt hingegen zu Beschwerden.

Einige Allergene sind zwar hitzestabil, können jedoch durch Zubereitung nicht ausreichend unschädlich gemacht werden. Sehr große Temperaturen schaden den Allergenen folgender Obstsorten kaum:

  • Feigen
  • Bananen
  • Pfirsiche (teilweise) 14

Birkenpollenassoziierte Sojaallergie

Sojaprodukte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Jedoch ist Vorsicht bei Birkenpollenallergie geboten. Die Allergene von Soja (genannt Gly m 4) ähnelt denen von Birkenpollen, sodass es zur sog. birkenpollenassiziierten Sojaallergie kommen kann. 15

Diagnoseformen und Therapiemöglichkeiten bei einer Allergie auf Birkenpollen

Die Diagnostik einer Allergie gegen Birkenpollen entspricht dem allgemeinen Vorgehen bei Verdacht auf Pollenallergie. Am Beginn steht die umfassende Patientenbefragung, in der Ihr Arzt mit Ihnen die Beschwerden analysiert, die Sie optimalerweise in einem Symptomtagebuch notiert und mit dem Pollenkalender abgeglichen haben.

Weitere Schritte in der Diagnostik sind:

Pricktest (Hauttest)

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Blutuntersuchung

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Provokationstest 16

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Die richtige Diagnose ist entscheidend für die Einleitung der passenden Therapie. Diese besteht aus der Kombination aus Vermeidungsmaßnahmen und einer symptomatischer Therapie mit antiallergischen Medikamenten.

Die einzige Behandlung, die eine Birkenpollenallergie an ihrer Wurzel packt, ist die spezifische Immuntherapie, auch unter der Bezeichnung Hyposensibilisierung bekannt. Eine ideale Präventionsmaßnahme stellt zudem der Bauernhofeffekt dar, bei dem man sich den vorbeugenden Effekt von Landluft zunutze macht. 17 18

Es gibt also einige Möglichkeiten, eine (Birken-)Pollenallergie wirksam zu lindern.

  1. Klein-Tebbe J, Jakob T. Molekulare Allergiediagnostik. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg, 2015, Seite 22
  2. Ledochowski M. Nahrungsmittel-Intoleranzen: Unverträglichkeiten erkennen und gut damit leben. TRIAS Verlag, Stuttgart, 2014, Seite 122
  3. Schuijs MJ, Willart MA, Vergote K, Gras D, Deswarte K, Ege MJ, et al. Farm dust and endotoxin protect against allergy through A20 induction in lung epithelial cells. Science. 2015 Sep 4;349(6252):1106-10.
  4. Tai CS, Chen YY, Chen WL. β-Lactoglobulin Influences Human Immunity and Promotes Cell Proliferation. Biomed Res Int. 2016; 2016: 7123587.
  5. Ern G, Fischbach RD. Der Allergien-Ratgeber: Symptome, Risiken, Therapie. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover, 2008, Seite 183
  6. Stadler F. Heuschnupfen natürlich heilen: In wenigen Tagen beschwerdefrei. Book on Demand, Norderstedt, 2016.
  7. Stadler F. Heuschnupfen natürlich heilen: In wenigen Tagen beschwerdefrei. Book on Demand, Norderstedt, 2016.
  8. Dirschka T, Oster-Schmidt C, Schmitz L. Klinikleitfaden Dermatologie. 4. Auflage, Elsevier, München, 2021, Seite 418
  9. Grevers G, Röcken M. Taschenatlas Allergologie: Grundlagen, Diagnostik, Klinik. 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2008, Seite 41 ff.
  10. Grevers G, Röcken M. Taschenatlas Allergologie: Grundlagen, Diagnostik, Klinik. 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2008, Seite 41 ff.
  11. Ledochowski M. Nahrungsmittel-Intoleranzen: Unverträglichkeiten erkennen und gut damit leben. TRIAS Verlag, Stuttgart, 2014, Seite 122
  12. Gesundheit.GV.at - Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. zuletzt aktualisiert: 25.09.2018 https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/allergie/nahrungsmittelallergie/kreuzallergie (Abrufdatum: 11.02.2021)
  13. Plewig G, Ruzicka T, Kaufmann R, Hertl M. Braun-Falco´s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. 7., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Springer Verlag, Berlin, 2018, Seite 444
  14. Schäfer C, Kamp A. Das TRIAS-Kochbuch für Kreuz-Allergiker. TRIAS Verlag, Stuttgart, 2008, Seite 29
  15. Mittag D, Vieths S, Vogel L, Becker WM, Rihs HP, Helbling A, et al. Soybean allergy in patients allergic to birch pollen: clinical investigation and molecular characterization of allergens. J Allergy Clin Immunol. 2004 Jan;113(1):148-54.
  16. Hausen T. Pneumologie für die Praxis: Akute und chronische Atemwegserkrankungen mit Besonderheiten im fortschreitendem Alter. Elsevier, München, 2018, Seite 75
  17. Schuijs MJ, Willart MA, Vergote K, Gras D, Deswarte K, Ege MJ, et al. Farm dust and endotoxin protect against allergy through A20 induction in lung epithelial cells. Science. 2015 Sep 4;349(6252):1106-10.
  18. Tai CS, Chen YY, Chen WL. β-Lactoglobulin Influences Human Immunity and Promotes Cell Proliferation. Biomed Res Int. 2016; 2016: 7123587.